Compliance & White Collar Crime

I’m a Legal Alien, I’m a Legal Alien: Extraditing Foreign Citizens from Austria

How do EU citizens living in Austria quickly become “foreigners” when it comes to extradition requests from third countries; for example, in relation to US corruption or antitrust charges?

Can you be extradited from Austria?

In the recent past, Austria has regularly had to deal with prominent extradition requests. One of the most spectacular cases was Kazakhstan’s extradition request of its ex-ambassador for an alleged murder. However, the question whether Austria is a safe harbour or the first step on the way to prison in a third country not only arises in such prominent cases but has become increasingly important for managers or employees confronted with transnational bribery or anti-trust investigations.

When assessing if extradition from Austria is possible, the first step is to identify whether the extradition is being sought by an EU member state.

EU member states may issue a European Arrest Warrant (EAW) requesting a member state to apprehend and hand over a criminal suspect for criminal prosecution or enforcement of a custodial sentence. The Austrian extradition regime to other EU member states is governed by the federal law on judicial cooperation in criminal matters with the member states of the European Union (EU-JZG).

With the EAW, the EU intended to increase the efficiency of extradition throughout the EU by abolishing the need to pass extradition request through diplomatic channels and by harmonising the legal tests for extradition. As opposed to prior extradition regimes, for a wide variety of crimes the test for double criminality (ie, the crime is punishable in both countries) was abolished. The second innovation is that – as a general rule – Austrian citizens must be extradited if their crime is not subject to Austrian jurisdiction.

But what happens if a country that is not a member to the EU seeks extradition from Austria?

If the requesting state is a member to the Council of Europe (eg, Russia), the extradition regime between Austria and the requesting state is governed by the European Convention of Extradition from 13 December 1957 and its additional protocols (if ratified). However, this multilateral treaty is also available for signature of non-Council members: Israel, South Africa and South Korea have also ratified the convention.

Under the Convention, extradition is granted for offences punishable under the laws of both countries (double criminality) with imprisonment of at least one year, but generally excludes extradition for political, fiscal or military offences. Further the parties may refuse to extradite their own nationals.

Further Austria has entered into bilateral extradition treaties that either establish an extradition regime between these countries (as they are not EU member) or the Extradition Convention (eg, Australia, Canada, US), or that specify the rights and obligations from multilateral treaties.

For extradition requests from countries not a party to a multilateral convention (eg, Brazil) or that have concluded a bilateral treaty, the Austrian Act on extradition and judicial assistance (Auslieferungs- und Rechtshilfegesetz; ARHG) applies. The ARHG establishes certain principles that must be considered when a state requests extradition. Most importantly, the person may not be an Austrian national and it must be ensured that he or she receives a fair trial (and punishment, if the case).

Practical impacts

In brief this means that, if extradition is requested by a non-EU member state, a refusal to extradite without going into the merits of the case is possible only if the person is an Austrian citizen. Being an EU citizen with a permanent residency in Austria is not enough. Thus, for example, a German national staying or even permanently residing in Austria could be extradited from Austria to the US. The same is true for an Austrian CEO living in Germany. While his German colleague charged with the same offence would be “safe”, the Austrian citizen may be extradited to the US.

In light of EU fundamental freedoms, this result is surprising and particularly relevant for transnational antitrust or corruption investigations by US authorities.

If extradition is sought by a non-EU member state, a refusal to extradite without going into the merits of the case is possible only if the person is an Austrian citizen. Being an EU citizen with a permanent residency in Austria is not enough. Thus, for example, a German national permanently residing in Austria could be extradited from Austria to the US.

Die Auslieferung ausländischer Staatsbürger durch Österreich

Wie in Österreich lebende EU-Staatsbürger schnell zu “Ausländern” werden, wenn es zu Auslieferungsbegehren von Drittstaaten kommt, zum Beispiel in Verbindung mit Korruptions- oder Kartellrechtsklagen der Vereinigten Staaten.

Kann man von Österreich ausgeliefert werden?

In letzter Zeit hatte sich Österreich regelmäßig mit prominenten Auslieferungsbegehren zu befassen. Einer der spektakulärsten Fälle betraf das Auslieferungsersuchen Kasachstans gegen einen Ex-Botschafter wegen mutmaßlichen Mordes. Inwiefern Österreich ein sicherer Hafen oder der erste Zwischenstopp Richtung Gefängnis in einem Drittstaat ist, ist jedoch auch für Manager und Angestellte von zunehmender Relevanz, die mit grenzüberschreitender Korruptionsvorwürfen oder kartellrechtlichen Ermittlungen konfrontiert sind.

Um zu beurteilen inwiefern einem Auslieferungsersuchen aus Österreich stattgegeben wird, ist zunächst in einem ersten Schritt zu ermitteln, ob die Auslieferung von einem EU-Mitgliedstaat begehrt wird.

Für EU-Mitgliedstaaten besteht die Möglichkeit einen Europäischen Haftbefehl (EuHB) zu erlassen mit dem ein anderer Mitgliedstaat um Festnahme und Auslieferung eines mutmaßlichen Straftäters zum Zweck der strafrechtlichen Verfolgung oder Vollstreckung einer Freiheitsstrafe ersucht wird. Die innereuropäische Auslieferung wird in Österreich durch das Gesetz über die justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU-JZG) näher ausgestaltet.

Der Europäische Haftbefehl soll die Effizienz von innereuropäischen Auslieferungen steigern, insbesondere dadurch, dass die direkte Behördenkommunikation die (bis zur Einführung des EuHB gängige) Übermittlung eines Auslieferungsersuchens im diplomatische Wege ersetzte und die Auslieferungsregime harmonisiert wurden. Auch wurde der Grundsatz der beiderseitigen Strafbarkeit (wonach eine Handlung sowohl im ersuchenden als auch im ersuchten Staat einen Straftatbestand verwirklichen muss um die gefahndete Person auszuliefern) ersatzlos aufgehoben. Neben diesen Verfahrensvereinfachungen wurde zudem eine grundsätzliche Pflicht zur Auslieferung von österreichischen Staatsbürgern eingeführt, sofern die Straftat nicht der österreichischen Gerichtsbarkeit unterliegt.

Was passiert, wenn ein Drittstaat eine Auslieferung aus Österreich begehrt?

Wenn der ersuchende Staat Mitglied des Europarats ist (zB Russland), dann bestimmt sich das anzuwendende Auslieferungsrecht zwischen Österreich und dem ersuchenden Staat nach dem Europäischen Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezember 1957 und dessen Zusatzprotokollen (sofern diese ratifiziert wurden). Diesem multilaterale Abkommen können auch Nicht-Mitglieder des Europarats beitreten: So haben bspw Israel, Südafrika und Südkorea das Auslieferungsabkommen ratifiziert.

Voraussetzung einer Auslieferung nach dem Europäischen Auslieferungsübereinkommen ist die beiderseitige Strafbarkeit wobei nach den jeweiligen Strafgesetzen die Handlung mit Freiheitsentzug von mindestens einem Jahr bedroht sein muss. Eine Auslieferung wegen politischen, fiskalischen oder militärisch strafbaren Handlungen ist generell ausgeschlossen. Weiters können die Parteien die Auslieferung eigener Staatsbürger verweigern.

Österreich hat zudem eine Reihe bilateraler Auslieferungsabkommen geschlossen, die entweder die Auslieferung zwischen Österreich und dem Vertragspartner regeln oder Rechte und Pflichten aus multilateralen Verträgen präzisieren.

Im Fall von Auslieferungsbegehren von Staaten, die nicht Partei eines multilateralen Vertrags sind oder mit denen keine bilateralen Übereinkommen abgeschlossen wurden (zB Brasilien), ist das Auslieferungs- und Rechtshilfegesetz (ARHG) anwendbar. Das ARHG bestimmt gewisse Grundsätze die berücksichtigt werden müssen, wenn ein Staat um Auslieferung ersucht. Nach dem ARHG dürfen ua österreichische Staatsbürger nicht ausgeliefert werden und dem Gefahndeten muss im Zielstaat ein faires Verfahren zukommen.

Praktische Auswirkungen

Zusammengefasst bedeutet dies, dass ein Auslieferungsersuchen eines Drittstaates an Österreich nur dann ohne genauere Prüfung des Sachverhaltes abgelehnt werden kann, wenn das Ersuchen einen österreichischen Staatsbürger betrifft. Zur Verweigerung der Auslieferung ist es hingegen nicht ausreichend als EU-Bürger bloß einen ständigen Wohnsitz in Österreich zu haben. So könnte ein deutscher Staatsangehöriger, welcher sich in Österreich kurzfristig oder permanent aufhält, von Österreich an die Vereinigten Staaten ausgeliefert werden. Dasselbe gilt für einen österreichischen CEO der in Deutschland lebt. Während sein deutscher Kollege, welcher derselben Vergehen beschuldigt wird, “sicher” ist, kann der österreichische Staatsangehörige in die Vereinigten Staaten ausgeliefert werden.

Im Lichte der europäischen Grundfreiheiten ist dieses Ergebnis überraschend und besonders relevant für grenzüberschreitende kartell- oder korruptionsrechtliche Ermittlungen seitens der US-Behörden.

Begehrt ein Drittstaat von Österreich die Auslieferung einer gefahndeten Person, so kann dies nur dann ohne genauere Prüfung des Sachverhalts verweigert werden, wenn die gefahndete Person österreichischer Staatsbürger ist. EU-Staatsbürgerschaft und bloß ständiger Wohnsitz in Österreich ist hingegen kein hinreichender Verweigerungsgrund. So könnte ein deutscher Staatsangehöriger mit ständigen Wohnsitz in Österreich von Österreich an die Vereinigten Staaten ausgeliefert werden.